Falsche Zungenlage und Zungenpressen: Was sollten Eltern wissen?

Kurz gesagt

Von falscher Zungenlage spricht man, wenn die Zunge nicht ruhig am Gaumen liegt, sondern sich beim Schlucken oder in Ruhe gegen die Zähne drückt. Weil die Zunge ein kräftiger Muskel ist, kann dieser dauerhafte Druck die Zahn- und Kieferstellung beeinflussen. Frühes Erkennen und gezieltes Üben helfen, Fehlentwicklungen vorzubeugen.

Die Zunge arbeitet den ganzen Tag – beim Sprechen, beim Schlucken und sogar in Ruhe, wenn wir gar nicht daran denken. Liegt sie richtig, unterstützt sie ganz nebenbei eine gesunde Kieferform und einen ausgewogenen Biss. Drückt sie dagegen ständig gegen die Zähne, kann das auf Dauer Spuren hinterlassen, weil sich die vielen kleinen Kräfte über die Zeit summieren. Weil das so unauffällig geschieht, bleibt es oft lange unbemerkt. Wir erklären Ihnen daher, worauf Sie bei Ihrem Kind achten können.

Was bedeutet falsche Zungenlage?

Idealerweise ruht die Zunge sanft am Gaumen, hinter den oberen Schneidezähnen, und der Mund ist entspannt geschlossen. Beim sogenannten Zungenpressen schiebt sich die Zunge stattdessen nach vorne oder zur Seite gegen die Zähne, vor allem beim Schlucken. Bedenken Sie: Menschen schlucken viele hundert Male am Tag, und jedes Mal wirkt dabei ein kleiner Druck. Kommt die Zunge dann immer wieder zwischen die Zähne, kann sie diese nach und nach auseinanderdrücken und zum Beispiel einen offenen Biss begünstigen.

Woran Sie es erkennen können

Es gibt einige Anzeichen, die auf eine falsche Zungenlage hindeuten können, auch wenn nicht jedes davon zwingend ein Problem bedeutet. Achten Sie in Ruhe darauf, wie Ihr Kind schluckt, spricht und den Mund hält – oft fällt Ihnen dann etwas auf, das vorher unbemerkt blieb.

  • Ihr Kind schluckt sichtbar mit vorgeschobener Zunge zwischen den Zähnen und der Mund steht häufig offen.
  • Bestimmte Laute klingen undeutlich, etwa beim Lispeln, oder vorne bleibt beim Zubeißen eine Lücke.

Was Sie tun können

Zum Glück lässt sich die Zungenfunktion gut trainieren. Oft arbeiten Kieferorthopädie und Logopädie dabei Hand in Hand, damit Muskeln und Zähne wieder zusammenspielen und die Zunge ihren richtigen Platz findet. Wichtig ist, das Muster früh zu erkennen, solange sich noch vieles von allein ordnen kann. Wenn Sie eines dieser Zeichen bei Ihrem Kind bemerken, sprechen Sie uns gern an. Gemeinsam schauen wir in Ruhe, ob eine begleitende Übungstherapie sinnvoll ist – ohne Druck und ganz individuell auf Ihr Kind abgestimmt. Kleine Übungen für den Alltag lassen sich oft spielerisch verpacken, sodass Ihr Kind sie gern mitmacht und keinen Zwang empfindet. So unterstützen Sie die Zunge dabei, ihren richtigen Platz am Gaumen zu finden.

Häufige Fragen

Ist Lispeln immer ein Zeichen für falsche Zungenlage?
Nicht zwingend, aber häufig hängen beide zusammen. Wenn das Lispeln bleibt und die Zunge beim Schlucken nach vorne drückt, lohnt sich eine gemeinsame Einschätzung mit der Logopädie.
Kann man Zungenpressen wieder abtrainieren?
Ja, mit gezielten Übungen lässt sich die Zungenlage in vielen Fällen deutlich verbessern. Je früher damit begonnen wird, desto leichter fällt die Umstellung Ihrem Kind.
Dr. Anne Moser
Dr. Anne Moser MHBA
Fachzahnärztin für Kieferorthopädie · KIEFERFREUNDE im Weberhaus, Potsdam
Veröffentlicht am 25. März 2026

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht die persönliche Untersuchung und Beratung in unserer Praxis.

Persönlich beraten lassen

Jeder Kiefer ist anders. In einem ersten Termin schauen wir uns Ihre Situation individuell an.

← Weitere Beiträge in „Kleine Kiefer, große Wirkung"