Myofunktionelle Therapie und Logopädie: Wann ergänzen sie die Kieferorthopädie?

Kurz gesagt

Myofunktionelle Therapie trainiert die Muskeln von Zunge, Lippen und Wangen, damit sie den Kiefer richtig stützen. Sie ergänzt die Kieferorthopädie immer dann, wenn Muskelmuster wie Zungenpressen oder Mundatmung eine Fehlstellung mitverursachen. Logopädie kommt hinzu, wenn zusätzlich Sprache oder Schlucken betroffen sind. So wird an der Ursache gearbeitet.

Zähne stehen nicht für sich allein – sie werden von Muskeln umgeben, die ständig auf sie einwirken. Zunge, Lippen und Wangen üben bei jedem Schlucken, Sprechen und Atmen kleine Kräfte aus, die die Zähne mitformen. Deshalb reicht es manchmal nicht, nur die Zähne mit einer Spange zu bewegen, wenn die Muskeln weiter in die falsche Richtung arbeiten. Genau hier setzt die myofunktionelle Therapie an, oft in enger Zusammenarbeit mit der Logopädie. Uns ist dieser ganzheitliche Blick wichtig, weil er an der Ursache ansetzt statt nur am Symptom.

Was ist myofunktionelle Therapie?

Bei dieser Übungstherapie lernt Ihr Kind Schritt für Schritt, Zunge und Lippen richtig zu halten und zu bewegen. Ziel ist ein ausgewogenes Gleichgewicht der Muskeln, das eine gesunde Kieferform und einen stabilen Biss unterstützt. Die Übungen sind spielerisch aufgebaut und lassen sich gut in den Alltag einbauen, sodass sie den Familienalltag nicht belasten. Mit etwas Regelmäßigkeit stellen sich die Muskeln nach und nach um, und neue, günstigere Gewohnheiten entstehen. Wichtig ist, dass die Übungen zu Hause regelmäßig wiederholt werden, denn nur so können sich die Muskeln dauerhaft an die richtige Bewegung gewöhnen. Wir zeigen Ihnen und Ihrem Kind die Übungen in Ruhe und begleiten Sie über die gesamte Zeit.

Wann sie die Kieferorthopädie ergänzt

Eine myofunktionelle Therapie ist vor allem dann sinnvoll, wenn muskuläre Muster eine Fehlstellung mitverursachen oder aufrechterhalten. Ohne diese Ergänzung droht sonst mancher Behandlungserfolg mit der Zeit wieder verloren zu gehen.

  • Bei Zungenpressen oder falscher Zungenlage, die eine Fehlstellung mitverursacht, und bei überwiegender Mundatmung statt gesunder Nasenatmung.
  • Wenn nach einer kieferorthopädischen Behandlung ein Rückfall droht, weil das ungünstige Muskelmuster fortbesteht.

Wann Logopädie dazukommt

Sind auch Aussprache oder Schlucken betroffen – etwa beim Lispeln oder beim Schlucken mit vorgeschobener Zunge – arbeitet zusätzlich die Logopädie mit. Kieferorthopädie, myofunktionelle Therapie und Logopädie greifen dann ineinander, jede mit ihrem eigenen Schwerpunkt und dem gemeinsamen Ziel eines gesunden Zusammenspiels im Mund. Wir behandeln nicht nur die Zähne, sondern schauen immer auf das Zusammenspiel von Muskeln, Atmung und Biss im gesamten Mund. Gern besprechen wir mit Ihnen ehrlich, welche Kombination für Ihr Kind wirklich sinnvoll ist und was gar nicht nötig ist, damit die Behandlung so schonend wie möglich bleibt und trotzdem am eigentlichen Auslöser ansetzt.

Häufige Fragen

Ersetzt die myofunktionelle Therapie eine Zahnspange?
Nein, sie ist eine Ergänzung. Sie arbeitet an der muskulären Ursache, während die Kieferorthopädie die Zahn- und Kieferstellung korrigiert. Oft ergänzen sich beide und sichern gemeinsam das Ergebnis.
Ab welchem Alter ist die Therapie sinnvoll?
Das hängt vom Kind ab, denn viele Übungen setzen ein gewisses Mitmachen voraus, häufig ab dem Vorschul- oder Grundschulalter. Wir schätzen den passenden Zeitpunkt individuell für Ihr Kind ein.
Dr. Anne Moser
Dr. Anne Moser MHBA
Fachzahnärztin für Kieferorthopädie · KIEFERFREUNDE im Weberhaus, Potsdam
Veröffentlicht am 19. März 2026

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht die persönliche Untersuchung und Beratung in unserer Praxis.

Persönlich beraten lassen

Jeder Kiefer ist anders. In einem ersten Termin schauen wir uns Ihre Situation individuell an.

← Weitere Beiträge in „Kleine Kiefer, große Wirkung"